INFASEC - Unfälle automatisierter Fahrzeuge gerichtssicher aufklären

Im Projekt INFASEC soll am Forschungszentrum CARISSMA der THI ein Innovationszentrum für digitale Fahrzeugforensik aufgebaut werden. Kernstück ist ein Gesamtfahrzeugprüfstand, auf dem Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen unter reproduzierbaren und damit gerichtsverwertbaren Bedingungen untersucht werden sollen. Ergänzt wird der Prüfbetrieb durch neue Methoden und Werkzeuge zur Extraktion und Auswertung digitaler Spuren aus verunfallten Fahrzeugen.

Problemstellung

Hat der Mensch gelenkt oder das System? Bei Unfällen mit automatisierten Fahrzeugen lässt sich diese Frage bislang kaum gerichtssicher beantworten. Die etablierten Methoden der Unfallrekonstruktion stammen im Kern aus den 1970er und 1980er Jahren, und die entscheidenden digitalen Spuren im Fahrzeug sind für unabhängige Sachverständige nur begrenzt zugänglich. Darunter leiden die Rechtssicherheit und das Vertrauen in das automatisierte Fahren.

Entwicklungsziel

Der Gesamtfahrzeugprüfstand soll um einen Radarsimulator und ein 3D-Projektionssystem zur Kamerastimulation erweitert werden. Damit sollen reale Unfallszenarien dreidimensional nachgestellt und die Funktionsgrenzen der Fahrzeugsysteme systematisch ermittelt werden. Parallel sollen eine Informationsdatenbank zu Speicherorten und Zugriffswegen relevanter Fahrzeugdaten sowie ein Forensic Data Retrieval (FDR) Tool entwickelt werden, mit dem Sachverständige digitale Spuren aus verunfallten Fahrzeugen auslesen können. Langfristig soll sich das Innovationszentrum als unabhängige Anlaufstelle für Sachverständige, Ermittlungsbehörden und Gerichte etablieren.

Projektpartner

Projektpartner sind Sachverständigenbüros und KMU aus ganz Bayern sowie die DEKRA Automobil GmbH, die FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH und die Europäische Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse. Sie sollen von der Datenbank, regelmäßigen Symposien an der THI und dem Zugang zum Prüfstand profitieren, der nach der Inbetriebnahme auch weiteren Unternehmen im Rahmen von Beauftragungen offenstehen soll.

Das Projekt wird von Prof. Dr. Hans-Georg Schweiger und Prof. Dr. Hans-Joachim Hof geleitet.