Zwischen Feuerwehr und Firewall

Wenn Tina Volkersdorfer von „schützen“ spricht, meint sie mehr als nur ein Wort. Es ist ein Prinzip, das sich durch ihr Leben zieht. Die 31-Jährige ist Doktorandin an der THI, engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Roth – und forscht daran, wie sich digitale Systeme gegen Angriffe absichern lassen. Zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. Und die bei ihr doch erstaunlich eng ineinandergreifen.

Retten, was zählt – und sichern, was bleibt: Tina Volkersdorfer übernimmt Verantwortung in unterschiedlichen Bereichen (Foto: FFW Roth).

Begonnen hat alles an einem Sommerabend im mittelfränkischen Roth, bei einem Grillfest der Feuerwehr. Eine Veganerin zwischen Bratwürsten und Bierbänken – das blieb nicht unkommentiert. „Am Anfang wurde ich schon ein bisschen aufgezogen“, sagt sie und lächelt. Heute ist sie längst angekommen. Was sie gehalten hat, ist das, was man nicht planen kann: „der Teamspirit“.

Aufgewachsen in der Nähe von Ansbach, ist Volkersdorfer die Erste in ihrer Familie, die studiert hat. Ihr Weg führte von der Realschule über die FOS mit Schwerpunkt Ernährung zunächst in eine andere Richtung: Ernährungsberatung und Ernährungsmanagement – ein Bereich, in dem sie Menschen konkret unterstützen kann. „Das war mir immer wichtig.“

Gleichzeitig entwickelt sie schon in der Schulzeit eine Begeisterung für Zahlen, Logik und Technik. „Ich wollte verstehen, wie man einer Maschine sagt, was sie tun soll.“ Neben dem Interesse an Ernährung wächst damit auch die Faszination für analytisches und strukturiertes Denken.

Als es um die Studienwahl geht, wird genau das ausschlaggebend: der Wunsch, komplexe Probleme systematisch zu lösen, und die Neugier auf technische Zusammenhänge. Deswegen entscheidet sich Volkersdorfer für Informatik. Das „Technische“ im Namen, der klare Praxisbezug – an der Technischen Hochschule Ingolstadt fühlt es sich sofort richtig an. Schon im Bachelorstudium weiß sie: Das ist ihr Weg.

Sie spezialisiert sich auf IT-Sicherheit und beschäftigt sich mit Angriffsmodellierung – also damit, Systeme aus der Perspektive potenzieller Angreifer zu analysieren, um sie besser schützen zu können. Es ist ein Perspektivwechsel, der gut zu ihr passt. „Ich würde mich nicht als typische Hackerin bezeichnen“, sagt sie, „sondern eher als jemand, der Verantwortung übernimmt. Mir ist wichtig, dass Menschen die Risiken verstehen – und dass Daten gar nicht erst in falsche Hände geraten.“

Nach Praxiserfahrungen in Nürnberg und einer sehr erfolgreichen Masterarbeit folgt der nächste Schritt: die Promotion bei Professorin Elif Bilge Kavun und Professor Hans-Joachim Hof. Für Volkersdorfer ist es die Möglichkeit, tiefer zu gehen, Expertin zu werden – und damit auch anderen Orientierung zu geben.

Dass „schützen“ für sie kein abstrakter Begriff ist, zeigt sich auch außerhalb der Hochschule. Beim Hackathon der Freiwilligen Feuerwehr München arbeitet sie gemeinsam mit Einsatzkräften, Unternehmen und Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen an Lösungen für den Katastrophenfall. Wie kann die Kapazität von Krankenhäusern dargestellt werden, sodass die Verantwortlichen schnelle Entscheidungen zum Transport von vielen Verletzten treffen können? Oder wie lässt sich vorhandene Infrastruktur besser nutzen? Eine Idee: Busse nicht nur als Transportmittel verstehen, sondern als mobile Energiequelle, als Wärme- oder Kühlstation, als flexibel einsetzbare Ressource – unterstützt durch digitale Anwendungen zur Koordination.

Volkersdorfer bewegt sich dabei in Bereichen, die noch immer eher männlich geprägt sind – sowohl in der IT als auch bei der Feuerwehr. Sie verbiegt sich dafür nicht. „Ich will mich keiner vermeintlichen Männerdomäne anpassen, sondern so sein, wie ich bin – mit allen meinen Facetten“, sagt sie. Dass sie damit auch mal aneckt, nimmt sie in Kauf. Gleichzeitig geht es ihr darum, sichtbar zu machen, was gut läuft und woraus sich lernen lässt. „Es gibt Situationen, die mich einschüchtern. Doch der Mut zahlt sich aus – ich werde gut aufgenommen.“ Entscheidend ist für sie das Miteinander und die gemeinsame Aufgabe.

Ihr Werdegang ist nicht geradlinig – aber konsequent. Volkersdorfer verbindet Technik mit Verantwortung und macht ihren Anspruch praktisch wirksam.